Gustav Freytag

Bedeutender Kartograf

* 1852   † 1938

 

Alpinist und hochalpiner Kartograf

Es war Gustav Freytags historisches Verdienst, dass er sich, durch die Regenbogenfarben angeregt, mit der Farbenplastik in der Geländedarstellung befasste und eine von ihm patentierte Farbenskala entwarf, die noch heute angewendet wird (Freytag, 1911): Felsen braun, Wald oliv, Straßen, Wege und Steige rot, Wiesen und Felder grün, markierte Wege blau. Die diversen Kartenwerke von Gustav Freytag zeichneten sich durch äußerste Genauigkeit aus und waren beim Alpenverein und beim Touristenclub sehr beliebt.

Als Alpinist und Weggefährte des Gesäuse-Erschließers Heinrich Hess war Gustav Freytag an der Erschließung der Ennstaler Alpen und des Gesäuses maßgeblich beteiligt. Er war Mitglied der alpinen Gesellschaft „D´Ennsthaler“ und stolzes Ehrenmitglied der Geographischen Gesellschaft in Wien, sowie der Sektion Admont des DÖAV. Medaillen erhielt sein Verlag u.a. bei den Weltausstellungen in Paris, London und Leipzig.

Eine fatale Entscheidung

Gustav Freytag war in erster Ehe mit Anna Ertelt verheiratet. Der Ehe entstammte ein Sohn, der Jurist Dr. Gustav Freytag, †1955 in Mittersill. Ihm übergab Freytag 1919 aus Altersgründen das Unternehmen. Dieser hatte allerdings kein Interesse an einer Weiterführung und verkaufte 1920 den Verlag, der als Tochterunternehmen an die Firma Artaria angegliedert wurde. Zuvor soll der Sohn noch zu seinem Vater gesagt haben, dass er das Vermögen verdoppeln werde. Er gründete eine Filmgesellschaft, die bereits nach einem Jahr Konkurs anmelden musste. Das Vermögen des Vaters war verloren.

Ehrenbürger von Admont

Als Gustav Freytag in den Ruhestand ging, zog er gemeinsam mit seiner zweiten Frau nach Hall bei Admont, wo er 1910-1913 die Sommervilla „Camilla“ erbauen ließ. Seine Frau Camilla war eine von vier Töchtern des Admonter Forstmeisters Diensthuber und um 35 Jahre jünger als er. In Admont war Gustav Freytag eine hochgeschätzte Persönlichkeit. Er war sichtlich gerührt, als ihm anlässlich seines 80. Geburtstags am 23. Jänner 1932 von Bürgermeister Franz Sulzer in Anwesenheit seines Bergkameraden Heinrich Heß und unter Teilnahme breiter Bevölkerungskreise die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde.

Schmerzlicher Abschied von Admont und Ruhestand in Armut

In der Folge verschlechterte sich Freytags Gesundheitszustand zusehends und seine finanzielle Lage wurde immer trostloser. Schulden häuften sich an und schließlich kam es zur Versteigerung der Villa „Camilla“. Nachdem er 1936 noch in Admont sein Testament machte, dürfte er erst in diesem Jahr ins Salzkammergut gekommen sein.

Lebensabend und Tod in Bad Ischl

Ältere Personen erinnern sich in Bad Ischl noch an Herrn Josef Eberl, der dem alten Gustav Freytag bereits in dessen Villa „Camilla“ in Hall bei Admont zur Seite stand. Nach der Versteigerung der Villa fand Gustav Freytag mit seiner Familie eine Unterkunft auf einem Bauernhof in Steeg, wohin ihn ebenso Josef Eberl begleitete. Unvergessen ist in Bad Ischl auch, dass Herr Josef Eberl Gustav Freytag, der sich auch noch in hohem Alter seine geistige Frische bewahren konnte, bis zu seinem Tode pfleglich umsorgte. Zuletzt fand der bereits taube und blinde alte Herr im Gasthaus „Schwarze Katz“ in Bad Ischl-Ahorn, das Eberl, sein treuer Freund auch in schwersten Zeiten, gepachtet hatte, eine bescheidene Unterkunft. Hier schlief Gustav Freytag am 19. Dezember 1938 für immer ein.

Erinnerungen von Gustav Freytags Tochter Trude

Der Herausgeber des „Traunspiegels“ Alexander Savel hatte das Glück und die Ehre, sich im Dezember 2001 in einem Wiener Altenheim mit Frau Trude Urschler, der 91-jährigen Tochter Gustav Freytags, kurz vor ihrem Tode über ihren berühmten Vater unterhalten zu dürfen. Es war der alten Dame sichtlich ein Bedürfnis, in einer sehr persönlich gehaltenen Unterhaltung ihre Sicht des tragischen Schicksals des geliebten Vaters mit der Bemerkung mitzuteilen: „Das ganze Leben habe ich darauf gewartet, dass sich jemand für meinen Vater interessiert“. Wie ihr Sohn Wolf Dieter Urschler in einem Brief vom 7.2.2002 an Alexander Savel schrieb, „… ist der (im Jänner 2002 im „Traunspiegel“ unter dem Titel „Wer war Gustav Freytag“ erschienene) Artikel über meinen Großvater gut gelungen“. Weiters schreibt er: „Ganz besonders freut der Artikel natürlich meine Mutter, die ihren Vater immer sehr geschätzt und geliebt hat.“ Viele der in der Folge mitgeteilten Fakten beruhen weitgehend auf den bereits im „Traunspiegel“ (2002) veröffentlichten Daten.

Der Sterbeort von Gustav Freytag

Freytags Todesort ist am Grabstein nicht erwähnt und es waren einige Printmedien, die diesbezüglich einiges zur Verwirrung beitrugen. So gab z.B. Andreas Hutter (2002) in einem ansonsten gelungenen Artikel im Neuen Volksblatt als Sterbeort Steeg, einen Ortsteil von Bad Goisern an, was auch in Felix Czeikes „Historisches Lexikon Wien“ und in „Der Ischler Friedhof“ von Friedrich Wiener (2008) so übernommen wurde. Weshalb Freytag in Bad Ischl seine letzte Ruhe fand, war bislang nahezu exklusiv den „Traunspiegel“-Lesern bekannt.

Begräbnis am Ischler Friedhof

Das Begräbnis war dieses großartigen Menschen unwürdig. Weil seiner Frau Camilla das Geld fehlte, musste er in einem Leiterwagen auf den evangelischen Teil des Ischler Friedhofs geführt werden, wo er am 21. Dezember 1938 im engsten Familienkreis sowie im Beisein von Herrn Josef Eberl und einiger weniger Mitarbeiter seiner ehemaligen Firma, die aus Wien angereist waren, beigesetzt wurde. Die Witwe schickte die Begräbnisrechnung, die sie nicht bezahlen konnte, zum Sohn aus erster Ehe nach Salzburg, wo dieser als Oberlandesgerichtsrat tätig war. Dieser war jedoch darüber verärgert, dass sich sein Vater eine so junge Frau genommen hatte und schickte ihr die Rechnung mit der Bemerkung wieder zurück, diese sei von der Auftraggeberin selbst zu bezahlen.

Camilla blieb weiterhin in Bad Ischl, wo sie später in das Altenheim der Sarsteiner-Stiftung kam, ehe sie ihre Kinder nach Wien holten, wo sie am 28. März 1973 starb. Beigesetzt wurde sie im Ischler Grab ihres Mannes. Auch Freytags Tochter Elfreda Büchler, die nach Kriegsende nach Wirling in der Gemeinde St. Wolfgang zog, wo sie beim Bauern Hofinger wohnte und am 13. Mai 1983 starb, wurde ebenfalls im Ischler Grab beigesetzt. Seine Enkelin, ebenfalls namens Elfreda, „Beda“ genannt, verbrachte in Wirling ihre Kindheit und ist heute noch oft zu Besuch in jener Gegend, „wo sie ihre schönsten Tage erlebte“. Sie kümmert sich rührend um das Grab ihres Großvaters und hält es – wie auch alle anderen Familienangehörigen – in Ehren. So sind einige der Nachfahren von Gustav Freytag bis zum heutigen Tag mit dem Salzkammergut verbunden.

Das Grab am Ischler Friedhof

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Erinnerung von Markus Heidegger   02.04.2017

Ich bin zwar nur in die Familie eingeheiratet, aber Gustav Freytag Grabstätte wird öfters im Jahr von uns besucht. Ich kann mich noch erinnern, wie wir versucht haben, den Ort zu finden, an dem er damals verstarb.

Erinnerung von Birgit Heidegger   02.04.2017

Gustav Freytag ist mein Urgroßvater.
Gerne verbringe ich meine Zeit im Salzkammergut. Immer wieder auch auf der Suche nach den Stätten, wo er und meine Familie gelebt hat.
Seine Enkelin wird übrigens nach wie vor liebevoll von mir Tante DEDA genannt. Diesen Namen erhielt sie durch meinen Vater, welcher dreijährig in Ischl eine Diphterieerkrankung knapp überlebte.

Ich bin stolz auf meine Familie und freue mich sehr darüber, diese Seite gefunden zu haben!

Mit lieben Grüßen

Birgit Heidegger